In den letzten Jahren hat sich Cannabidiol (CBD) als ein vielseitig vielversprechender Wirkstoff einen Namen gemacht – auch im Bereich der kardiovaskulären Forschung. Insbesondere der Einfluss auf den Blutdruck steht zunehmend im Fokus klinischer Studien. Dieser Artikel zeigt auf, weshalb CBD möglicherweise für die Behandlung von Bluthochdruck geeignet ist und stellt erste interessante Studienergebnisse vor.
Blutdruck und Hypertonie
Der Blutdruck ist ein essenzieller Vitalparameter, der angibt, mit welchem Druck das Blut durch die Arterien gepumpt wird. Er wird in zwei Werten gemessen: dem systolischen (bei Herzkontraktion) und dem diastolischen Druck (bei Herzentspannung). Ein normaler Blutdruck liegt bei Erwachsenen etwa bei 120/80 mmHg. Von arterieller Hypertonie spricht man laut aktueller Leitlinien in der Regel ab Werten von ≥140/90 mmHg bei mehrfachen Messungen. Bluthochdruck ist einer der bedeutendsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz. Weltweit sind schätzungsweise rund 1,5 Milliarden Menschen betroffen – viele davon ohne Symptome, was die Früherkennung und Behandlung besonders schwierig macht. Alter, Geschlecht und Faktoren des Lebensstils wie Ernährung, Bewegung und Stress haben Einfluss auf das Risiko an Bluthochdruck zu erkranken. Die medikamentöse Behandlung von Bluthochdruck ist weit verbreitet. In den letzten Jahren ist jedoch auch das Interesse an alternativen und ergänzenden Therapieoptionen wie CBD gewachsen – insbesondere in Hinblick auf seine möglichen blutdrucksenkenden Eigenschaften.
Einige Annahmen, wie CBD den Blutdruck beeinflussen könnte
CBD interagiert mit dem Endocannabinoid-System, das eine Rolle in der Regulation des Herz-Kreislauf-Systems spielt. Es wird angenommen, dass CBD durch vasodilatatorische Effekte, antioxidative Eigenschaften und Modulation des sympathischen Nervensystems den Blutdruck beeinflussen kann. Zudem könnte CBD die Freisetzung von Neurotransmittern wie Noradrenalin hemmen, was zu einer Senkung des Blutdrucks führen könnte. All diese Annahmen müssen jedoch weiter untersucht und in Studien überprüft werden, bevor sie als bestätigt angesehen werden können.
Akute Effekte: Einzelgabe von CBD und Blutdrucksenkung
Eine der frühesten Humanstudien zu diesem Thema wurde 2017 veröffentlicht. In einer randomisierten, Crossover-Studie erhielten neun gesunde männliche Probanden eine Einzeldosis von 600 mg CBD oder ein Placebo. Die Ergebnisse zeigten eine signifikante Reduktion des systolischen Blutdrucks um etwa 6 mmHg in Ruhe sowie eine Abschwächung der Blutdruckreaktion auf Stressreize wie Kälte bei CBD-Einnahme. Begleitet wurde dies von einer moderaten Erhöhung der Herzfrequenz und einem niedrigeren Herzschlagvolumen. Ob und inwiefern die Ergebnisse der Studie übertragbar sind, bleibt fraglich, denn zum einen war die Teilnehmeranzahl sehr klein und zum anderen wurden ausschließlich gesunde Männer untersucht. Wie sich CBD auf den Blutdruck von Frauen oder Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen auswirkt, wurde in dieser Studie überhaupt nicht betrachtet. Dennoch legt diese Studie nahe, dass CBD akute blutdrucksenkende Effekte haben kann, insbesondere in stressinduzierten Situationen.
Einnahme über fünf Wochen: CBD bei primärem Bluthochdruck
Noch eine weitere spannende, randomisierte und placebokontrollierte Studie befasste sich damit, ob CBD Blutdruck beeinflussen kann und wurde 2023 veröffentlicht. Sie trägt den sperrigen Titel „Effects of CBD supplementation on ambulatory blood pressure and serum urotensin-II concentrations in Caucasian patients with essential hypertension: A sub-analysis of the HYPER-H21-4 trial“. Untersucht wurde konkret, ob CBD den Blutdruck und die Gefäße bei Personen mit primärem Bluthochdruck (auch essentieller Bluthochdruck genannt) beeinflussen kann. Primärer Bluthochdruck ist ein dauerhaft erhöhter Blutdruck, für den keine erkennbare körperliche Ursache gefunden werden kann. Insgesamt nahmen 51 Probandinnen und Probanden im Alter zwischen 40 und 70 Jahren teil, die über einen Zeitraum von fünf Wochen regelmäßig CBD oder ein Placebo eingenommen haben. Die Ergebnisse sind interessant: Der Gehalt des Stoffes Urotensin II im Blut sank deutlich (von 3,31 auf 2,08 ng/mL). Dieser Rückgang trat nur bei CBD auf, nicht beim Placebo. Urotensin II ist ein körpereigenes Peptid, das als einer der stärksten bekannten Vasokonstriktoren gilt, also Blutgefäße stark verengen kann. Je stärker der Urotensin-II-Wert im Blut sank, desto mehr sank auch der durchschnittliche Blutdruck über 24 Stunden. Dieser Zusammenhang war unabhängig vom Alter, Geschlecht, Körpergewicht oder von vorheriger Blutdruckbehandlung. Es wird nun vermutet, dass die blutdrucksenkende Wirkung von CBD mit der Senkung von Urotensin II zusammenhängt – das muss aber noch weiter erforscht werden. Die bisherigen Studienergebnisse legen nahe, dass CBD auch bei langfristiger Anwendung blutdrucksenkende Effekte haben kann.
Fazit: Potenzial von CBD in der Blutdruckregulation
Die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass CBD sowohl akut als auch chronisch blutdrucksenkende Effekte haben kann. Die genauen Mechanismen sind noch nicht vollständig verstanden, aber die bisherigen Daten sind vielversprechend. Dennoch ist weitere Forschung erforderlich, um die langfristige Sicherheit und Wirksamkeit von CBD in der Behandlung von Hypertonie zu bestätigen. Bis dahin sollte die Anwendung von CBD zur Blutdruckregulation nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.


